Bachkantaten

Seit 2004 Aufführung aller 199 Kirchenkantaten von Johann Sebastian Bach monatlich als Gesprächskonzerte und Abendgottesdienste in St. Katharinen, Frankfurt am Main und in der Markt- und Christophoruskirche, Wiesbaden.

Die BachVespern sind eine Kooperation zwischen der Schiersteiner Kantorei, der Kantorei St. Katharinen Frankfurt und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Deren Professoren und Studierende gestalten die vokalen Solopartien; es spielt das Bach-Collegium Frankfurt-Wiesbaden, welches sich aus führenden Mitgliedern der großen Orchester des Rhein-Main-Gebietes zusammensetzt. Die Gesamtleitung haben Clemens Bosselmann und Michael Graf Münster.

Jede BachVesper hat zwei Teile. Sie beginnt mit dem Gesprächskonzert – einer Einführung in die Kantate durch den Dirigenten mit dem gesamten Ensemble, quasi eine Schule des Hörens. Das Gesprächskonzert dauert 20 Minuten, ihm folgt das Glockengeläut. Dann der Gottesdienst: in seiner Mitte wird die Kantate als Ganze aufgeführt.

Der Eintritt zu den BachVespern ist frei.

Johann Sebastian Bach schrieb nur wenige Kantaten: 200 sind erhalten, zwischen 50 und 100 verloren. Was sind 300 Kantaten Bachs gegen die 1.750 Kantaten Telemanns oder die 1.400 Graupners? Telemann und Graupner und andere schrieben vollständige Kantaten-Jahrgänge. Ihr Opus ist der Jahrgang, die einzelne Kantate also nur ein Sechzigstel eines Opus. Anders Bach – Opus ist für ihn die individuelle Kantate.

Die Stellung des Thomaskantors (de facto: des Generalmusikdirektors Leipzigs) anzustreben, hieß für Bach: das dort aufzuführende Kantatenrepertoire zunächst selbst zu komponieren. Ein bewusst angestrebtes Großprojekt. Bach widmete seine ersten Leipziger Jahre der Komposition von Kantaten, und zog vor Ostern 1727 mit der Matthäuspassion die Summe gottesdienstlicher Musik schlechthin. Am Ende des Projektes war die Gattung ausgeschritten, ein anspruchsvolles Repertoire für kommende Jahrzehnte lag vor, für die immense Last der wöchentlichen Neukomposition gab es keinen inneren Grund mehr. Der Komponist Bach wurde frei für anderes. Doch bis kurz vor Ende seines Lebens leitete Bach an jedem Sonntag eine Kantatenaufführung, an Feiertagen zwei. Er spielte sonntags vor 2.000 Hörern, feiertags vor 4.000 Hörern überwiegend seine eigene Musik. Dabei wirkten Mitglieder seines Konzert-Orchesters mit und garantierten einen hohen Qualitätsstandard. Nur wenige Künstler hatten live eine so starke öffentliche Präsenz. Und Bach nutzte diese Präsenz: in der Kirche wie im Konzert meidet er jede Gefälligkeit. Der vom Publikum bestaunte Virtuose Bach konnte sich leisten, den anspruchsvollen Komponisten Bach aufzuführen.

Bachs Kantaten sind eine singuläre Hochblüte im Zeitenwechsel der frühen Aufklärung. Um 1725 überlagern sich in ihnen für kurze Zeit Kirche und Konzertsaal. Die Musik schlägt Feuer aus Texten, die durch und durch von der Bibel geprägt sind. Das ist Tradition lutherischer Frömmigkeit, konservativ. Zugleich sind Bachs Kantaten opernnah, vor allem in den Rezitativen und Arien. Das ist modern und nicht unwichtig in Leipzig, wo nach dem ersten gescheiterten Versuch eines bürgerlich finanzierten Opernhauses Oper vermisst wird. Und dann entwickelt Bach vor allem in den Eingangssätzen Sinfonik, bevor es dieses Wort gab. Ausladende, bedeutungsvolle Instrumentalmusik mit Gesang. Das Spiel mit den Klangfarben und die dynamischen Entwicklungen des Orchesters erst ziehen einen weiten Zeitraum auf, in dem so insistierend, so variantenreich, so ausführlich gesungen werden kann. 

Mehr Informationen unter https://bachvespern.de/